Nord-Yunnan

Heute bin ich in Dali angekommen, meine Reiserichtung ist nun also Süden. Da ich hier mal zwei Nächte / drei Tage bleibe, kann ich mir ein bisschen Zeit nehmen euch über die vergangenen Stationen zu berichten und ein paar Fotos zu zeigen.

Kunming »

Am Sonntag habe ich den Steinwald besichtigt. Der liegt etwa 120km außerhalb von Kunming und ist mit dem Bus in knapp 2 Stunden zu erreichen. Ist übrigens ein UNESCO Weltkulturerbe.

Dummerweise habe ich mich auf meinen Reiseführer (also das Buch) verlassen, worauf ich beim falschen Busbahnhof gelandet bin. Nach einiger Suche und etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt mit einem lokalen Bus war ich dann endlich richtig. Es ging auch schon bald los, allerdings haben wir nach kurzer Fahrt auch schon wieder an einer Kreuzung angehalten, an der einige Bullis standen. Dann wurden einige Kartons mit Küken in den Bus (also Kleinbus, knapp 30 Plätze) geladen. Kurz vor dem Steinwald wurden die dann wieder ausgeladen und der Fahrer hat 20 Yuan (etwa 2€) bekommen.
Im Steinwald angekommen bin ich dann so zwei oder drei Stunden rumgelaufen, ist schon recht beeindruckend, schaut euch einfach die Fotos an. Die Steine stehen da wohl überall in der Gegend rum, nicht nur in diesem speziellen Park, sondern auch einfach so in der Landschaft.
Ich lasse mal einfach die Bilder sprechen.

Viele Chinesische Touris, aber zum Glück nur an einigen wenigen Stellen...

Von der Aussichtsplatform wird nochmal klar, warum es Stein-"Wald" heißt

Man fragt sich die ganze Zeit nur: Hääää????

Leider weiß ich nicht, wie so ein Schnitt entstanden ist. Wieder einfach nur: Hä?

Sieht eher aus wie ein Geschicklichkeitsspiel, wären die nicht so groß...

Steine überall...

Am Montag war dann Xi Shan dran, der “Westberg”. Der liegt direkt am Dian Chi, dem sechstgrößten Frischwassersee Chinas. Nach etwa anderthalb Stunden Busfahrt bin ich den Berg hochgewandert. Ich lasse einfach wieder die Bilder sprechen.

Der Blick vom Berg auf den dreckigen See und das dahinterliegende Kunming

Ich habe die Tempel erst durch chinesische Touristen bemerkt. Wer kommt denn auch auf die Idee...

Neben den Tempeln bzw. Pavillons gibt es auch diesen Gang durch das Drachentor

Lijiang »

Danach ging es dann mit dem Schlafzug nach Lijiang. Schlafzüge sind super, man spart sich eine Nacht in der Jugendherberge und es kostet quasi keine Zeit von einem Ort zum anderen zu kommen. Die Fahrt hat etwa achteinhalb Stunden gedauert und nicht mal 20€ gekostet.

Lijiang hat eine sehr große “Altstadt”, wobei das die Bauweise betrifft und nicht das Alter der Gebäude. Nach einem Erdbeben 1996 hat die Regierung erkannt, dass die alten Gebäude viel besser standgehalten haben und mit viel Geld die Häuser in altertümlicher Bauweise wieder aufbauen lassen. Seit 1999 ist Lijiang Weltkulturerbe.
Natürlich war das Geld nicht verschenkt – die Stadt ist überlaufen von Touristen. Dadurch ist die Atmosphäre dort nicht “original”, aber trotzdem ziemlich gut.
Mein Orientierungssinn ist normalerweise gar nicht schlecht – in Lijiang hat er aber oft total versagt. Was weniger an mir liegt als am Aufbau der Stadt – es gibt einfach keine Ordnung. Was die Stadt irgendwie noch interessanter macht.

Eine typische Straße in Lijiang

Hier erkennt man wieder etwas besser, dass es sehr viel kleine Läden sind (noch nicht alle sind offen)

Ein recht großer Essensstand, sogar mit Sitzgelegenheit

Hinten wird Wäsche gewaschen, vorne Gemüse...

Eine Straße bei Nacht

Es ist halt sehr auf Touristen ausgelegt...

Tigersprungschlucht »

Die nächste Station war die Tigersprungschlucht. Auf etwa 1800m über dem Meeresspiegel fließt dort der Yangtze, direkt vorbei am Jadedrachen-“Schneeberg” (hat jemand eine bessere Übersetzung für “Jade Dragon Snow Mountain”?), dessen Gipfel auf knapp 5600m liegt. Leider war der immer in den Wolken verschlungen, die bei schätzungsweise durchschnittlich 3500m anfingen.
Mein Reiseführer hat einige der spektakulärsten Blicke auf der Erde versprochen – und trotz der Wolken hat er recht behalten. Die Schlucht ist unglaublich steil, sodass man den Fluss im Tal und die Gipfel teilweise gar nicht gleichzeitig sehen kann (die Pivot-Funktion meines Kopfes habe ich dabei nicht ausprobiert, damit hätte es wahrscheinlich funktioniert :p).

Start der Reise: Man sieht sogar noch Reisfelder

Leider waren die Berge teilweise in Wolken gehüllt, später war mehr zu sehen

Es ist noch ein langer Weg... Aber ihr seht, warum sich die Berge gegenüber so nah anfühlen

Ein weiterer Blick zurück: Die Wanderung führte mich auch durch einige kleinere Bergdörfer

Und ein Blick nach vorn: Noch immer ein gutes Stück zu wandern

Eines der Dörfer bzw. ein Hof auf dem Weg

So kann ein Stall aussehen: Für ein Rind und zwei Schweine reicht er

Neben Ziegen, Hühnern, Gänsen und Pferden habe ich auf dem Weg auch dieses Hinterteil angetroffen

...

Shangri-La »

Weiter ging es nach Shangri-La. Eigentlich hieß der Ort Zhongdian, Shangri-La ist ursprünglich ein fiktiver Ort. Die Regierung hat aber rausgefunden, dass Shangri-La Zhongdian sein muss und den Ort umbenannt, damit mehr Touristen kommen. Klappt offensichtlich auch.
Ich war nur einen Tag dort, die Altstadt ist recht überschaubar und ansonsten gibt es nicht so viel besonderes dort. Aber die Altstadt ist durchaus sehenswert. Sie ist in tibetischem Stil gebaut und somit eben anders als z.B. Lijiang. Und da die Umbenennung erst vor 10 Jahren war, ist sie noch nicht so überlaufen.
Ungewohnt ist die Höhe: 3200m über dem Meeresspiegel. Trotzdem ist die Gegend nicht bergig, es gibt ein paar Hügel mit vielleicht 100m Höhe, aber generell ist es eher flach dort. Man merkt deutlich, dass die Luft dünner ist. Mit einigen anderen bin ich um den Napa-See geradelt – wobei “See” irreführend ist, denn er ist ausgetrocknet, es grasen Kühe, Schweine und Pferde “darin”. Zu den Jahreszeiten, in denen er nicht ausgetrocknet ist, kann er höchstens 1-2 Meter tief sein.
Jedenfalls sind wir um dieses Gebiet geradelt, d.h. quasi keine Steigung, und trotzdem war es unglaublich anstrengend. Es waren insgesamt vielleicht 30km, vielleicht sogar noch weniger. OK, die Fahrräder waren nicht die Besten, aber es fühlte sich dennoch viel zu anstregend an. Danach war ich mindestens so kaputt wie nach meiner Fahrt nach Puli…

Im Anschluss habe ich noch ein Kloster besichtigt. War zwar ziemlich groß, aber nicht wirklich spektakulär; viele alte, zerfallene Hütten und einige Tempel, aber nicht sonderlich groß. Das Besondere an diesem Kloster ist, dass es schon viele hundert Jahre alt ist und nicht während der Kulturrevolution zerstört wurde.

Die Architektur und das Flair sind tibetisch, anders als in Lijiang

Viele Läden haben nicht nur chinesische, sondern auch tibetische (und manchmal englische) Schilder

Die Bar unseres Gästehauses. Der Ofen war abends ganz angenehm

Wo sonst Wasser ist, grasen nun Kühe

Die Straße wurde gerade erneuert, also mussten wir viele Kilometer über die Baustelle zurücklegen

Der Eingang des Klosters und dahinter die größten Tempel auf dem Berg

Die Gebäude neben den Tempeln haben die besten Tage hinter sich

Die Farben sind viel kräftiger als ich es von chinesischen Tempeln gewohnt bin

Dali / Ausblick »

Momentan bin ich in Dali, was die ursprüngliche Touristenstadt in der Region ist. Gemacht habe ich noch nicht viel, deswegen liefere ich Bilder und Geschichten nach. Soviel schonmal: Dali ist wieder anders vom Baustiel und der Atmosphäre, auch nett, mir gefällt es soweit gut.
Bald geht es für mich dann über Kunming in den Süden. Von dort dann über Laos oder auf dem Mekong direkt nach Thailand. Das wird ziemlich warm – hier war ich bislang immer auf mindestens 1800m, da ist es sehr gut auszuhalten. Aber das wird mich hoffentlich nicht davon abhalten viele spannende Sachen zu erleben.

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One Response to Nord-Yunnan

  1. Monika says:

    Lieber Johannes,
    Nun endlich, bedanke ich mich sehr, für Deinen interessanten Bericht.
    Ich habe so eine Freude, vom Almenaerberg aus, durch Dich… so viel von Land und Leuten kennen zu lernen.
    Nun bist Du sicher schon mit Deinen Gedanken….beim Abschied nehmen im fernen Land. Komm gut zurück und willkommen in Deiner Heimat.
    tschüßi Monika

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