Viel nachzuholen….

Mal wieder habe ich mein Vorhaben nicht eingehalten – mit etwas Verspätung kommen nur ein paar mehr Neuigkeiten unter dem Thema was war, was ist, was wird. Leider mit weniger Links als gewöhnlich und ohne Fotos, aber ich wollte nicht wieder Monate in’s Land ziehen lassen von Start bis Vollendigung des Artikels…

Es ist schon peinlich, dass ich seit der Woche in Kenting nichts mehr geschrieben habe. Leider kann ich nicht so ausführlich wiedergeben was alles passiert ist wie ich es gerne würde, aber zumindest ein grober Überblick muss drin sein. Ist alles schnell runtergeschrieben, sorry dafür.

Was war. »

Stehen geblieben bin ich in Kenting. Die Woche dort war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Dafür war das Wochenende danach eines der besten überhaupt. Übernachtet haben wir mit etwa 15 Leuten auf einem Campingplatz. Jeden Tag sind Leute gekommen und andere gegangen – ein buntes, unkoordiniertes Treiben, was für mich aber super war. Jeder hat gemacht wozu er gerade Lust hatte, und so konnte ich mich zwischen vielen verschiedenen Aktivitäten entscheiden. Im Prinzip lief das so: Wir sind im Laufe des Vormittags aufgewacht, haben gefrühstückt und mit dem Kater gekämpft, dann haben sich oftmals die Wege getrennt – einige sind Tauchen gegangen, andere zum Strand, wieder andere zu einem anderen Strand zum Surfen. So gegen Nachmittag oder Abend haben wir irgendwas gegessen, entweder an einem der vielen Stände, in einem Restaurant, oder wir haben selbst gegrillt; einen Abend waren Philippinas da, die leckere Sachen mitgebracht haben.
Gegen Abend sind wir dann wieder zum Strand gegangen zu einer der Parties. Irgendwann nachts oder morgens dann wieder zum Campingplatz – und das Ganze von vorne.
Wir hatten das ganze Wochenende gutes Wetter, bis mittags war immer perfekter Sonnenschein, so ab zogen dann leider Wolken auf, es war aber immer noch warm genug. Nachts konnte man ohne weiteres in Shorts und T-Shirt feiern.
Fotos von den Traumstränden werde ich nachliefern – realistischerweise kommt das aber erst wenn ich wieder zurück in Deutschland bin.

Leider waren die Temperaturen in Taichung wieder niedriger, der Winter war dieses Jahr sehr lang. Alle haben mir vorher gesagt, ab dem chinesischen Neujahrsfest würde es wärmer. Leider waren nur einige warme Tage dabei, so richtig Sommer wurde es erst im Mai, also mit 2-3 Monaten Verspätung. Der Winter ist anders als in Deutschland, zwar klingen die Temperaturen nicht schlimm, aber sie fühlen sich so an, möglicherweise wegen der Gewöhnung oder wegen der Luftfeuchtigkeit, vor Allem aber, weil es überall kalt ist. Aber bei 18°C würde ich in Taiwan lieber in Winterjacke als in T-Shirt rumlaufen.
Im Sommer ist es dafür drinnen unangenehm. Überlasse niemals einem Asiaten die Steuerung einer Klimaanlage – der Raum wird zum Kühlschrank, zumindest gefühlt. Ich habe teilweise bei 30°C Außentemperatur mit Pullover im Büro gesessen, weil ich ohne wirklich gefroren habe.

Ansonsten bin ich in den letzten zwei Monaten meistens mit dem Fahrrad die 11km zur Arbeit gefahren, manchmal auch mit einem Kollegen oder mit dem Bus. Das war ziemlich gut, da ich in den vier Monaten zuvor quasi gar keinen Sport gemacht habe, was nicht gut war, ich habe mich einfach unwohl gefühlt. Mit dem Rad habe ich im Durchschnitt geschätzt nicht mehr als 5 Minuten länger gebraucht als mit dem Roller, nur für das Duschen ging zusätzlich Zeit drauf.

Ansonsten waren die Wochenenden immer recht voll. Hier ein paar Sachen, die ich gemacht habe:

  • Zweimal habe ich samstags Badminton gespielt. Ein Freund des Vaters einer Freundin spielt mit Freunden regelmäßig, und sie hat mich dazu mitgenommen. Die meisten waren 30-40 Jahre alt, einige hatten Kinder mit, insgesamt etwa 10 Leute + Kinder (die nicht mitgespielt haben). Zwar konnte kaum jemand englisch, aber es hat echt Spaß gemacht.
  • Ein Kollege hat christlich geheiratet. Der Teil in der Kirche war ähnlich, allerdings gab es danach ein Foto und ein Buffet, nicht das übliche Gratulieren und Geschenke Übergeben. Im Anschluss ging es dann in ein Restaurant, in dem es quasi eine traditionelle taiwanische Hochzeit gab – 10-Gänge-Menü, die Braut zeigt sich in mehreren Kleidern, die Familie kommt rum, nach 3 Stunden (dem letzten Gang) ist schlagartig alles vorbei.
  • Ein andere Kollege hat 4 Wochen später traditionell geheiratet. Nicht christlich, in einem “Heiratslokal”, mit Moderatorin. Wirkte eher wie eine Fernsehshow, alles durchorganisiert, immer mit kitschiger Musik unterlegt, immer moderiert. Im Prinzip wieder ein 10-Gänge-Menü (habe nicht gezählt, aber prinzipiell ging es in die Richtung), bei dem zwischendurch manchmal etwas passierte (z.B. der Brautvater die Braut an den Bräutigam übergab oder das Brautpaar ein Lied sang).
  • An einem Samstag Nachmittag habe ich mich mit dem Rad aufgemacht nach Puli, gut 60km, höchster Punkt der Reise waren 730m über dem Meeresspiegel. Sehr schöne Aussicht.
    Dort habe ich eine Nacht verbracht, am Sonntag ging es dann zum Sonne-Mond-See und über einen anderen, weniger bergigen Weg zurück nach Taichung. Nach 60km wollte ich mogeln und den Zug nehmen, doch dort sind nur Klappräder erlaubt, und so musste ich die weiteren 50km doch noch mit Muskelkraft bewältigen. Leider hatte ich die Sonnencreme vergessen, und so kam ich völlig erschöpft und mit Sonnenbrand zuhause an. Trotzdem hat es sich wirklich gelohnt, die Gegend dort ist unglaublich schön, und das bei perfektem Wetter war wirklich atemberaubend.
  • An einem Wochenende haben mich zwei Kollegen in Taipeh rumgeführt. Wir haben Freitag direkt nach der Arbeit den Bus genommen, übernachtet habe ich bei einem der Kollegen, der aus Taipeh kommt und dessen Eltern eben immer noch dort wohnen. Samstags sind wir auf dem nahegelegenen Yangmingshan gewandert, der ziemlich nah an Taipeh liegt, aber trotzdem schöne Natur bietet, man glaubt kaum, dass man so nah an einer Metropole ist. Später haben wir eine neue Kamera für mich gekauft, meine Kollegen haben sich echt mächtig in’s Zeug gelegt mit Preisvergleichen und Handeln. Somit kann ich euch bald mit besseren Bildern versorgen; mich hat vor Allem genervt, dass ich bei schwachem Licht keine Bilder hinbekommen habe, das ist mit der neuen deutlich besser.
    Am nächsten Tag ging es dann nach Jiufen, ein kleiner Ort, der noch spektalärere Landschaften bietet, dazu einen netten Markt.

Was ist. »

In diese Kategorie fasse ich auch das, was beeinflusst was jetzt ist, und die nähere Vergangenheit. Ansonsten wäre das Kapitel sehr kurz 😉

Also mein eigentlicher Plan war mit zwei Freunden (einem Amerikaner und einem Philippino) auf die Philippinen zu fliegen. Der Amerikaner hat früh abgesagt, da er keinen Urlaub bekommen hat. Vor einigen Wochen hatte der Philippino dann einen Rollerunfall, sodass er wegen Armbruchs auch ausfiel.
Ich hatte eigentlich vor trotzdem zu fliegen, die Flüge waren schon gebuch, am frühen Sonntag morgen (5. Juli) sollte es losgehen. Doch es kam, wie es kommen musste: Auch ich konnte die Reise nicht antreten, da mein Visum nur bis Freitag (3. Juli) verlängert wurde. Aus verschiedenen Gründen habe ich mich dann entschieden direkt nach Hong Kong zu fliegen, was planmäßig meine zweite Station gewesen wäre. Dort habe ich dann 6 Nächte verbracht. Allerdings habe ich primär entspannt, da die letzten Tage und Wochen in Taiwan waren ziemlich anstrengend und die Nächte recht kurz waren.
Die Stadt fand ich trotzdem ziemlich beeindruckend. Sie wird auch “vertikale Stadt” gennant, da nirgendwo mehr Menschen so hoch wohnen – es gibt dort praktisch nur Hochhäuser, kaum welche mit 10 Stockwerken, ich würde schätzen 30 sind Durchschnitt, zumindest auf Hong Kong Island. Das ist der Platzknappheit geschuldet; trotzdem sind etwa 70% Natur. Das liegt daran, dass es so bergig ist, dass man dort einfach nicht bauen kann – obwohl sie schon unglaubliches vollbracht haben mit der Architektur.
95% des Personentransports läuft über öffentliche Verkehrsmittel (was auch gar nicht anders geht), was es als Tourist natürlich unglaublich komfortabel macht. Neben U-Bahn und Bussen gibt es alte doppelstöckige englische Straßenbahnene, anderswo eine “Stadtbahn”, außerdem gehören Fähren zu den regulären Verkehrsmitteln. Das Kurioseste ist die “weltlängste” Rolltreppe, die Hong Kong Central mit den Mid-Levels verbindet. Zwar ist es nicht eine durchgehende Rolltreppe, hin und wieder muss man mal so 10 bis 50 Meter laufen. Aber prinzipiell ne interessante Idee. Von morgens 6 bis 10 fährt sie abwärts, sodass die Leute zur Arbeit kommen; bis abends 10 dann aufwärts, sodass sie wieder zurück kommen.
Der Verkehr ist unglaublich günstig. Zwar manchmal überfüllt, aber prinzipiell sehr gut. Übrigens waren zur Rush-hour bei der Stadtbahn auch Leute an jeder Tür, die das Aus- und Einsteigen koordiniert haben. Allerdings haben sie nicht gedrückt.
Die Stadt wird oft beschrieben mit “Osten trifft Westen”, was ziemlich gut hinkommt. Die Stadt ist prinzipiell schon recht modern, wobei manche Gebäude ziemlich runtergekommen aussehen. Es gibt westliche Restaurants, viele europäische Kneipen, die englische Straßenbahn, fast alle Leute können englisch sprechen, viele Restaurants haben zweisprachige Karten. Andererseits gibt es halt sehr viele typisch asiatische Läden, 7-eleven ist allgegenwärtig, die Stadt schläft nie, es gibt viele Teeläden, kaum Kriminalität. Eine äußerst interessante Stadt.

Am Donnerstag ging es dann weiter. Zuerst mit dem Zug über die chinesische Grenze nach Guangzhou, dort mit der Metro zum Hauptbahnhof, von da ging es im Schlafwagen nach Kunming, was gut 24 Stunden dauerte (insgesamt war ich mehr als 30h unterwegs). Das waren jeweils 6er-Abteile, allerdings zum Gang hin offen. Je drei Betten übereinander, etwa 60cm breit und schon halbwegs bequem. Natürlich sprach niemand englisch 😉 Aber ich hatte endlich Zeit meine Reise weiter zu planen. Und ich habe ein Wenig von der atemberaubenden Gegend gesehen. Kunming liegt auf einem Plateau von mehr als 1800m, entsprechend hat der Zug einige bergige Regionen durchquert.
Und so bin ich nun in Kunming, der Hauptstadt der Provinz Yunnan, die ich noch weiter erkunden werde. Eine Stadt mit 3,2 Millionen Einwohnern im Stadtkern, bislang sehr spannend. Viel moderner als ich eigentlich erwartet hatte. Und dabei (dank der Finanzpolitik der Regierung) trotzdem noch äußerst günstig. Eine Nacht im großzügigen Vierbettzimmer mit Balkon in der Jugendherberge kostet etwa 4,50€ und kann sich dabei durchaus mit einer deutschen Jugendherberge messen lassen.
Es gibt hier nicht ganz so viele Roller wie in Taiwan, dafür sind die alle elektrisch. Das verbessert zumindest die Luftqualität in der Stadt, ist aber für mich aufgrund der geringen Lautstärke gewöhnungsbedürftig, vor allem, da sie auch auf dem Bürgersteig oder in der Fußgängerzone fahren. Und alle fahren ohne Helm.
Insgesamt ist es viel lauter als z.B. in Taiwan. Im Verkehr wird andauern gehupt, was ziemlich nervt, gerade da unser Zimmer zur Straße hin liegt. Man muss schon viel Glück haben mal 20 Sekunden lang kein Hupen zu hören.
Die Polizei ist quasi allgegenwärtig, man sieht sie überall. Und trotzdem schert sich keiner um Verkehrsregeln… In Taiwan hat man mich schon darauf vorbereitet, dass der Verkehr in China schlimmer sei als dort, was ich kaum glauben konnte, aber es stimmt.
Englisch sprechen kann hier kaum jemand. Und trotzdem kann man mit ihnen Spaß haben 😉 Die Jugendherberge hat eine Kneipe, in der ich gestern Abend mit meinem Notebook saß. An einem Nachbartisch öffnete eine junge Chinesin eine Bierflasche nach der anderen mit den Zähnen. Als die Gruppe bemerkte, dass ich sie dabei beobachtete, musste ich rüberkommen und wir haben ein paar mal zusammen angestoßen und ein paar Kommunikationsversuche unternommen. Es kam zwar nicht viel dabei rum, aber immerhin hatten wir Spaß dabei.
Essen zu bestellen ist auch immer wieder spannend. Hier hat quasi kein Restaurant ein englischsprachiges Menü, die meisten haben auch keine Bilder, zumindest nicht zusammen mit dem Menü. Und so muss ich dann mit meinem kläglichen Chinesisch versuchen irgendwas zu bekommen. Manche Restaurants haben eine Spezialität, und so kommt man mit der Frage “Was ist gut?” schon quasi zum Ziel. Bei anderen führt das zu nichts – heute Mittag brauchte ich einige Zeit bis ich der Verkäuferin klar gemacht habe, dass ich einfach irgendwas zu Essen will. Dann hat sie mit ihrer Kollegin einige Sachen durchdiskutiert – bis ich dann das Schlagwort “gebratene Nudeln” gehört habe und kurze Zeit später ein richtig leckeres Essen vor mir stehen hatte. Das Wort “Verkäuferin” ist übrigens bewusst gewählt; in etwas größeren Restaurants läuft das hier so, dass man am Eingang eine Marke für sein Essen kauft, die man dann am Küchentresen gegen das Essen eintauscht.

Was wird. »

Zwei Tage bleibe ich voraussichtlich noch in Kunming, dann geht es weiter nach Lijiang, zur Tigersprung-Schlucht, eventuell noch in’s 3.200m hoch gelegene Shangri-La. Dann geht’s ab nach Süden: über Dali nach Jinghong, bevor es dann über Laos nach Thailand geht. Dafür habe ich knapp 2 Wochen eingeplant. Ist ein ziemlich straffes Programm, aber die meisten Orte sind recht klein, von daher werde ich überall nicht allzu viel Zeit verbringen. Wie es dann in Thailand weitergeht kann ich noch nicht genau sagen, vermutlich werde ich nach Chaing Mai reisen und von dort nach Bangkok fliegen, von wo es dann wieder zurück nach Taiwan geht. Dort habe ich dann noch gut eine Woche, da ich viel weniger von der Insel gesehen habe als ich wollte; allen voran die Ostküste mit Hualien und der Taroko-Schlucht.
Am 20. Juli lande ich dann in Frankfurt. Hoffentlich nicht erschlagen von all den neuen Eindrücken 😉 Aber ich glaube ich weiß mitlerweile ganz gut, wie ich das richtig dosieren kann.

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One Response to Viel nachzuholen….

  1. Monika says:

    Huhu… Johannes,
    Danke, für Deine Reiseinfo. Wie immer, habe ich mit
    großer Begeisterung gelesen.
    Ja, das wird Dir wohl erst komisch vorkommen, wenn Du Deine
    Füße auf deutschen Boden setzt. ;-))
    Ich wünsche Dir, einen guten Heimflug und ein schnelles Einleben.
    Tschüßi Monika

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