Mein Urlaub

Endlich, endlich habe ich den Artikel fertiggestellt. Er ist über mehrere Monate gewachsen, also wundert euch nicht, falls mal ein kleiner Bruch drin sein sollte, oder wenn sich der Detailgrad verändert. Ziel war am Ende nur noch, den Artikel endlich fertig zu bekommen…
Ich hoffe, morgen komme ich dazu euch etwas über meine aktuelle Situation zu schreiben. Viel Spaß beim Lesen!

Wie schon in einem vorherigen Beitrag geschrieben, bin ich über das chinesische Neujahrsfest geflüchtet. Das Fest nutzen die Chinesen, um mal richtig zu entspannen. Die ganze Familie macht nichts anderes als essen, fernsehen und schlafen, mehrere Tage lang. Für einige ist das die einzige Zeit im Jahr, in der sie das tun können, denn ein freies Wochenende ist hier nicht selbstverständlich. Viele haben ihren eigenen kleinen Laden, der sieben Tage die Woche geöffnet hat. Die haben sich dann die paar freien Tage wirklich verdient.
Offizielle Feiertage waren von Mittwoch bis Montag, ich habe mir aber rundrum noch drei Tage freigenommen. Bin am Sonntag Abend losgeflogen nach Kuala Lumpur, von dort dann am Donnerstag weiter nach Melaka und Samstag ging es dann nach Singapur, von wo ich am Dienstag wieder abgeflogen bin.

Kuala Lumpur »

KL (so nennen es die Einheimischen, deshalb nutze ich auch die Abkürzung) war die erste und auch die intensivste Station.
Nachdem mir abends in Taipeh bei 10°C noch recht kalt war, kam ich in Malaysia gegen 4 Uhr morgens bei 24°C und seichtem Regen an, was sehr angenehm war (ja ich weiß, 4 Uhr ist nicht die beste Zeit, aber deswegen war der Flug halt günstig). Was mir als Erstes auffiel war, dass manche Schilder nicht nur auf Englisch und Chinesisch, sondern auch auf Arabisch waren, außerdem war der nächste Gebetsraum aufgeführt.
Als ich gegen 5 dann endlich mit meinem Gepäck aus der Ankunftshalle raus war, wurde mir noch mehr bewusst, wie vielfältig Malaysia ist. Außer Japanern und Russen sind wahrscheinlich fast alle Asiaten dort gut vertreten. Auch viele Westler waren dort anzutreffen, für mich recht ungewöhnlich, ich habe mich schon viel zu sehr daran gewöhnt eine Ausnahme hinsichtlich Haut- und Haarfarbe zu sein. Es war ein äußerst buntes Treiben und eine interessante Atmosphäre, die ich um die Zeit nicht erwartet hätte.
Nach einem kleinen Frühstück ging es dann gegen 6 Uhr mit dem Bus in die Stadt, wo ich gegen 7 ankam. Eigentlich sollte man ja erwarten, dass es in einem Land nahe des Äquators um die Zeit schon hell sein sollte. Denkste: Sonnenaufgang ist gegen 7.30, Sonnenuntergang entsprechend 19.30. Gar nicht so blöd.
Da die Rezeption der Jugendherberge noch nicht besetzt war, musste ich erstmal mit Gepäck durch die Stadt ziehen. Mein GPS hatte noch keinen Empfang, eine Karte hatte ich auch nicht, also bin ich einfach so drauf los marschiert. Was mir so aufgefallen ist:

  • In Taiwan hupen die Taxen um auf sich aufmerksam zu machen. In KL steht an jeder Ecke mindestens ein Taxifahrer, der einen sofort anspricht: “Teksi, Sir, Teksi?”
  • Die zweite Frage, die mir gestellt wurde: “Good morning, Sir, wanna have a woman?” Ich brauchte einen Moment um zu verstehen, dass der Mann mit den zwei Zähnen, der die Frage gestellt hat, der Zuhälter der beiden Damen hinter ihm war. Habe morgens um kurz nach 7 nicht mit der Frage gerechnet, und es war auch kein Rotlichtbezirk, sondern eigentlich DIE Einkaufsstraße in KL. Übrigens war das das einzige Mal in KL, dass mir diese Frage gestellt wurde.
  • Gleich 200m weiter fragte mich eine nette Dame, ob ich nicht eine Massage wolle. Die Frage allerdings sollte ich noch öfter hören.
  • Insgesamt ist die Stadt weniger gepflegt als z.B. Taichung, man merkt, dass Taiwan doch etwas weiter entwickelt ist. Dennoch hat mir die Atmosphäre unheimlich gut gefallen.
  • Die Vielfalt lässt sich generell an sehr vielen Stellen beobachten, die Gegensätze sind teilweise beeindruckend. Ist schwierig zu beschreiben, denn es sind so viele total unterschiedliche Dinge, z.B. ein Obdachloser, der vor einem recht gepflegten Haus schläft; ein total intensiver Geruch nach Tee oder Gewürzen, den man beim Vorbeigehen auf dem Gehweg wahrnimmt; der Urwald mitten in der Stadt, in dem man 650 Jahre alte Bäume begutachten kann, direkt unter dem sechsthöchsten Fernsehturm der Welt.

Dass Malaysia von den Engländern geprägt ist, wusste ich eigentlich. Man merkt es ja auch sofort, alle fahren auf der falschen Seite. Da ich aus Taiwan allerdings gewohnt bin, dass der “second floor” in der ersten Etage ist, habe ich erst beim zweiten Versuch in der Jugendherberge jemanden angetroffen…
Eigentlich wollte ich nur mein Gepäck dort abladen, habe dann aber schon gegen halb 10 einchecken und mein Zimmer beziehen können. Habe ein Einzelzimmer mit Klimaanlage gebucht und mal wieder den Reserveraum bekommen 😉 Der wieder ein Doppelzimmer war. Wie üblich ohne Fenster. Für 13€/Nacht, inclusive Frühstück, das allerdings recht übersichtlich war: Toast und Erdbeermarmalade.
Die Badezimmer sahen ähnlich aus wie ich es aus der Jugendherberge in Taipeh kannte, also auch die Dusche mitten im Raum. Und obwohl ich mich so langsam daran gewöhne, war ich froh, dass es auch einzelne Duschen gab. Mir ist dann auch klar geworden, warum man in der Jugendherberge die Hosenbeine hochkrempelt (wenn man eine lange Hose an hat): Die Hose wird sonst nass, wenn man in’s Bad geht (Schuhe trägt man natürlich drinnen nicht).
Beim Einchecken habe ich dann auch eine Karte bekommen und viele Erklärungen, was ich mir anschauen sollte. “Home away from home” trifft es ganz gut, die Betrieber sind sehr nette Leute, immer freundlich und hilfsbereit. Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, bin ich dann weiter durch die Stadt gelaufen. Das ist meine Art eine Stadt zu erkunden, erstmal rumlaufen und alles anschauen, und gerade nicht zielgerichtet, sondern auch mal Straßen und Gegenden, in denen keine Touristenattraktionen eingezeichnet sind. Einfach mal verschiedene Eindrücke sammeln und die Menschen beobachten, ein “Gefühl” für das Leben dort entwickeln.
Mittags hat es zum Glück aufgehört zu regnen und ich hatte den Rest meines Urlaubs ziemlich gutes Wetter. Habe das auch gleich am Dienstag genutzt um mir nen Sonnenbrand zu holen, zum Glück nur im Nacken und nicht besonders schlimm.
Zurück zum Montag: Abends habe ich mich noch mit zwei chinesischstämmigen Malayen getroffen. Zuerst sind wir “durch” den Markt in Chinatown gegangen. Durch, weil die Stände so eng aneinander sind, dass sich zwei Entgegenkommende aneinander vorbeiquetschen müssen, außerdem hängt über dem Gang (oder für mich im Gang) noch Kram. Jeder Stand ist so etwa 2,5m x 1,5m und führt in der Regel nur eine Produktkategorie. Uhren, T-Shirts und Portemonees sind die beliebtesten, wenn man einmal durch ist, ist man bestimmt 20 mal gefragt worden “Want another watch, Sir, a watch?” Man denkt, man hat zig Déjà-vus, die Stände sehen immer gleich aus, und es nimmt kein Ende…

Von Weitem sieht es aus wie Würmer...

Als wir endlich raus waren, haben wir in einem kleinen Restaurant gegessen. Die am Nachbartische aßen etwas das aussah wie Würmer; ich war etwas entsetzt, als wir dann das gleiche bekommen haben. Zum Glück waren es doch nur gebratene Nudeln, dazu gab es Gemüse, was das dritte war weiß ich gar nicht mehr, war auf jeden Fall war alles sehr lecker. Das schöne in Asien ist, dass man alles zusammen bestellt und dann nicht sein eigenes Gericht hat, sondern alles teilt. Jeder bekommt sein eigenes Schälchen und nimmt sich dann das, was er gerade essen will.
Als wir weiter wollten, hat uns eine Gruppe von vier Löwen (ich hoffe es waren wirklich Löwen), die von Trommlern begleitet wurden, oder besser gesagt die Menge, die drumrum stand, den Weg versperrt. Es war halt chinesisches Neujahrsfest.

Auf dem Foto ist nicht so richtig zu erkennen, wie beeindruckend das wirkt...

Wir sind dann ein bisschen in der Stadt rumgefahren, an den Petronastürmen vorbei (die höchsten Zwillingstürme der Welt), die bei Nacht ziemlich beeindruckend beleutet sind (kommt auf den Fotos leider nicht ganz so rüber). Anschließend ging es in den Royal Club, direkt am Unabhängigkeitsplatz mit bestem Blick auf das Sultan Abdul Samad Gebäude. Dort ist ebenfalls die Vielfalt sichtbar: In letztgenanntem Gebäude waren drei hohe Gerichte zuhause, ich habe jedoch aufgrund seiner Bauform zuerst gedacht, es sei ein religiöses Gebäude. Aber der Islam, der Staatsreligion ist, hat selbst in der zivilen und staatlichen Architektur großen Einfluss. Der Royal Club dagegen ist ein Fachwerkgebäude, wie man es normalerweise in Europa findet. Zwar ist Fachwerk nicht üblich in KL, aber europäische Architektur ist es sehrwohl.

In den darauffolgenden Tagen habe ich dann auch typische Touri-Sachen gemacht:

  • Ich war ich auf dem Fernsehturm, der eine Aussichtsplatform auf 276m hat. Der Turm steht auf einem Berg, was die Aussicht noch spektakulärer macht. Bevor ich rauf bin, habe ich eine Dschungelführung rund um den Turm mitgemacht, oben habe ich dann den Sonnenuntergang genossen.
  • Die Petronastürme durften natürlich auch nicht fehlen, leider musste ich dafür recht früh aufstehen, da die Karten limitiert und sehr begehrt sind. Dafür war ich dann auf der Brücke im 41. Stock, 170m über Grund, und außerdem im 86. Stock (irgendwas bei 368m), der erst vor wenigen Monaten für Touristen freigegeben wurde. Die Aussicht ist echt der Wahnsinn.
  • Im nationalen Museum habe ich einiges über die Geschichte Malaysias gelernt, was ganz spannend war.
  • Im Museum für islamische Kunst war ich auch, war ganz nett, aber ich fand’s nicht so richtig spektakulär.
  • Bukit Bintang habe ich natürlich auch inspiziert, das ist der “Einkaufs- und Unterhaltungsbezirk” KLs, wie Wikipedia ihn nennt. Dort gibt’s viele große Einkaufszentren, z.B. Berjaya Times Square, eine Straße voller “Restorans” (hier kann man das vielleicht erahnen), eine Kneipenzone, die mich etwas an die Milchstraße erinnert hat, allerdings in größer (alle, die die Milchstraße nicht kennen, sollten mal nach Aachen fahren), viele Massageläden, vor denen man immer angesprochen wird.
  • und vieles mehr….

Natürlich war ich auch noch öfter in Chinatown, vor allem zum Abendessen. Chinesisches Essen kann ich zwar eigentlich auch hier in Taiwan haben, aber etwas anders schmeckt es dann doch, und sehr einfach zu bestellen, weil fast jeder dort Englisch sprechen kann. Die haben zwar einen sehr komischen Dialekt, bei dem ich manchmal erst beim dritten Nachfragen erahnt habe, was sie denn wollten, aber meistens ging das ganz gut, zumindest besser als hier mit Chinesisch. Als Muttersprache haben die Leute dort ihre Heimatsprache, also z.B. Chinesisch, und lernen dann Malaiisch und Englisch in der Schule. Englisch ist im Alltag recht häufig zu hören.
Was an Malaiisch praktisch ist, ist die Schrift: es werden lateinische Buchstaben benutzt, also weiß man schonmal so ganz grob, wie es ausgesprochen werden könnte. Und durch die ca 500 Jahre Kolonialherrschaft sind auch viele Worte erkennbar, “Teksi” und “Restoran” habe ich ja schon beispielhaft erwähnt, “Motorsikal” fand ich auch ganz nett.
Zurück zum Essen: In Chinatown war es recht leicht an Essen zu kommen, in Little India dagegen etwas schwieriger. Die Inder wirkten eher geschlossen, die Schilder an den Ständen waren nicht auf Englisch, keiner hat lauthals Werbung für seinen Stand btw. sein Restaurant gemacht. Auch das Essen mit den Fingern hat mich etwas abgeschreckt, dort habe ich der Einfachheit halber dann einfach irgendwas am Spieß gekauft. Wie das hier halt so üblich ist, man schiebt Fleisch oder Gemüse einfach auf nen Schaschlikspieß. Meistens irgendwas fritiertes, sodass man nicht so ohne Weiteres erkennt, was es ist, aber es schmeckte zumindest alles gut und war sehr günstig.
An meinem letzten Tag in KL wollte ich dann noch zu den Batu-Höhlen, und da zufälligerweise vier andere Deutsche aus meiner Jugendherberge auch dorthin wollten, habe ich mich ihnen einfach angeschlossen. Die Höhlen sind etwas außerhalb der Stadt, also mussten wir den Bus nehmen. Die lokalen Busse in Malaysia haben zusätztlich zum Fahrer einen Fahrkartenverkäufer, der zusätzlich auch noch eine Art Marktschreier ist: An den größeren Haltestellen wird das Ziel lautstark preisgegeben. Man steigt also ein, irgendwann kommt der Verkäufer vorbei, man zahlt seine drei Ringgit und bekommt dafür zwei Wertmarken von je 1,50 Ringit (eine 3 Ringgit Marke gibt es nicht). Irgendwann steigt dann ein sehr dominant auftretender “Kontrolleur” in den Bus, schaut sich die Marken an und zerreißt sie.
Am Ziel angekommen haben wir uns erstmal eine Kokosnuss gekauf und die frische Kokosmilch getrunken. Die gibt es dort für 2 Ringgit, was etwa 50 cent sind.
Dann mussten die beiden Mädels, mit denen ich unterwegs war, als Fotomodel herhalten. Ein älterer Inder wollte seine anderthalb Jahre alte Enkelin mit einer Weißen fotografieren. Sowohl auf dem Arm, als auch im Kokosnusshaufen liegend (den sie dabei gleich mal umgeworfen hat).
Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass man nach einem Foto gefragt wird: In KL ging ich nichtsahnend durch den Park an den Petronastürmen, vorbei an einer Familie, die ein paar Fotos gemacht hat. Die hübsche Tochter hat mich dann gefragt, ob ein Foto OK wäre, ich dachte natürlich erst, ich solle eins von der Familie schießen. Es stellte sich dann aber heraus, dass sie ein Foto von mir zusammen mit der Mutter machen wollten.
Leider habe ich mal wieder vergessen meine Kamera zu den Batu-Höhlen mitzunehmen, ich hoffe, dass ich noch Bilder zugeschickt bekomme. Die Bilder bei Wikipedia lassen erahnen, wie groß diese Statue ist, das ist schon recht beeindruckend. Man geht dann die Treppen hoch, in der Höhle sind dann noch ein paar hinduistische Bauten. Die Höhle ist riesig, aber andere indische Tempel fand ich interessanter als die reliösen Stätten dort.
Wieder unten angekommen haben wir eine Art Pfannkuchen gegessen und dabei der Abfertigung von chinesischen Reisegruppen zugeschaut. Die kamen mit jeweils etwa 15 Leuten dort rein, haben ganz begeistert zugeschaut wie jemand Tee von einem Becher in den anderen geschüttet hat (mit größer werdendem Abstand oder auch mal einem Arm hinter dem Rücken her), haben sich erzählen lassen, dass sie Tee und Haaröl kaufen sollen (zwei von Ihnen haben eine Kopfmassage mit dem Haaröl bekommen) und sind nach 10 Minuten wieder abgezogen. Und schon ging das Ganze von vorne los; wir haben immer den übrig gebliebenen Tee abbekommen (der ziemlich lecker war) und uns gewundert, wie leicht die Chinesen doch zu begeistern sind.
Zurück in der Stadt habe ich dann mein Gepäck aus der Jugendherberge geholt, mich zum Busbahnhof begeben und den nächsten Bus nach Melaka genommen.

Melaka »

Keine Privatsphäre, aber trotzdem gemütlichIn Melaka angekommen, habe ich zuerst in der Jugendherberge eingecheckt. Die Leute dort waren wieder sehr freundlich, die Jugendherberge allerdings “anders” aufgemacht: Es gab keine richtigen Zimmern, sondern einen riesigen Raum, in dem “Zimmer” mit Stoff abgehängt waren. Dafuer waren die Betten groß und gemütlich, und da alle entsprechend leise waren, war das auch kein Problem (keiner hat zu laut geschnarcht oder so). Und die Lage war wirklich super, direkt am Fluss und mitten im Zentrum der Stadt.
Da ich noch etwas essen musste, habe ich mich zum Nachtmarkt zwei Straßen weiter begeben. Der war recht klein (es war ja auch mitten in der Woche), aber trotzdem interessant. Leider hat mich keine Restaurant mehr reingelassen, weil es schon kurz vor 9 war O_o Das war mal eine neue Erfahrung für mich. Habe dann aber noch einen Stand gefunden, an dem es wieder diese Spieße gab, diesmal aber roh, man musste sie noch selbst fritieren. Habe mir dann vier Stück gegessen, war ganz lecker. Dafür wollte der Typ dann 20 Ringgit haben. Ich ärgere mich noch immer, dass ich die bezahlt habe; 1 oder 2 Ringgit pro Spieß wären angemessen gewesen. Hier in Taiwan ist es mir noch nie passiert, dass mich jemand so über’s Ohr haut, aber so lernt man eben dazu.
Am nächsten Tag habe ich mir dann ein paar Dinge in der Stadt angesehen, vor allem die Dinge um den roten Platz. Im Stadthuys, dem ehemaligen Rathaus, ist ein Museum über die Geschichte Melakas und damit auch Malaysias, deshalb ein Kurzabriss:
Der Raja von Singapur wurde aus Singapur vertrieben und flüchtete nordwärts. Unter einem Baum sitzend beobachtete er 1402, wie ein Kleinkantschil (ein Reh) seinen Hund in den Fluss trat. Das fand er so beeindruckend, dass er dort eine Stadt gründete und sie nach dem Baum benannte, unter dem er lag.
Da Melaka günstig gelegen war, entwickelte es sich schnell zu einer wichtigen Hafenstadt, in der viele verschiedene Kulturen zusammenkamen und sich teilweise auch dort niederließen. Die Malayen waren Fremden und Fremdem gegenüber sehr aufgeschlossen, was die Entwicklung sicherlich förderte.
Wie das damals so war haben sich irgendwann die Europäer eingeschaltet. 1511 haben die Portugiesen das Kommando übernommen, ab 1641 hatten dann die Holländer die Oberhand. Die Briten wollten auch mal, und nach ein bisschen hin und her haben sie dem Land von 1824 bis zur Unabhängigkeit 1957 ihren Stempel aufgedrückt.
Seit der Unabhängigkeit ist Malaysia eine parlamentarische Monarchie; der König wird allerdings alle 5 Jahre neu bestimmt aus einem der 9 Sultane.
Obwohl Malaysia so eine lange multikulturelle Tradition hat, beherrschen immer noch die Interessen der Volksgruppen die Politik: Es gibt eine malayische Partei, eine chinesische und eine Indische; der Rest ist eher unbedeutend. Zwar versuchen die Parteien zusammenzuarbeiten, aber das klappt wohl eher schlecht als recht. Für mich ist das ziemlich erschreckend, da es doch eigentlich um Inhalte und nicht um die Interessen einzelner Ethnien gehen sollte. Da stellt sich für mich wirklich die Frage, inwieweit bzw. unter welchen Bedingungen eine multikulturelle Gesellschaft sinnvoll funktionieren kann.
Zurück in die etwas nähere Vergangenheit: Wegen des chinesischen Neujahrsfestes war recht viel los in der Gegend. Prägend waren die vielen prächtig geschmückten Fahrrad-Rikschas, die rund um das Fort A Formosa (an dessen Fuße der rote Platz liegt) unterwegs waren. Jede zweite hatte auch laut Musik an, meistens recht moderne, sodass man oft mehreren Liedern gleichzeitig lauschen konnte (einige werden wissen, wie allergisch ich dagegen bin). Übrigens waren die Fahrer erstaunlicherweise oft nicht mehr in ihren sportlichsten Jahren.

Wirkt kitschig, war aber ziemlich schick

Abends bin ich dann erst am Fluss langgelaufen, da dir Atmosphäre dort wirklich toll war. Da Melaka nicht soo weit von Singapur entfernt ist, kommen zu besonderen Anlässen viele Touristen in die Stadt, entsprechend viel Mühe wurde in’s Rausputzen gesteckt, vor Allem in die Beleuchtung entlang des Flusses. Das lohnte sich auch, denn andauernd kamen vollbesetzte Boote den Fluss entlang geschippert.

Eine riesige Bühne für mutige Sänger (oder solche die es gerne wären)

Aber auch der Nachtmarkt war an diesem Abend deutlich besser: Es gab mehr Stände, es waren viel mehr Leute da und es gab eine Karaokebühne, auf der traditionelle chinesische Lieder von Leuten mittleren bis hohen Alters zum Besten gegeben wurden. Viele Sänger waren gar nicht so schlecht; bei anderen war ich erstaunt, dass sie nicht von der Bühne geholt wurden.
Ansonsten gab es natürlich allen möglichen Kram zu kaufen, vor Allem aber Speisen und Getränke: Verschiedene Nudel- und Reisgerichte, frischen Zuckerrohrsaft, Pfannkuchen und wegen des chinesischen Neujahrsfestes auch viel Süßes, vor allem Zuckeriges. Der Hit waren dort Kartoffeln, die auf einem Schaschlikspieß spiralförmig ziemlich dünn aufgeschnitten und dann fritiert wurden. Ähnlich wie Chips, aber in etwas anderer Form. Es ist wirklich immer wieder spannend über die Nachtmärkte zu laufen und alles zu begutachten.

Einige beleuchtete Rikschas, die auf Kunden warten

Später bin ich nochmal zum Fort A Formosa gelaufen. Unten fuhren noch immer die Rikschas rum, noch immer beschallt, nun aber auch bunt beleuchtet.
Am nächsten Tag wollte ich eigentlich noch zu einem nahegelegenen Strand fahren, da ich bis dahin noch keinen asiatischen Traumstrand zu Gesicht bekommen hatte. Doch da die Leute in der Jugendherberge die Gesichter verzogen, als ich die Frage, ob ich schon ein Ticket nach Singapur hätte, verneinte, habe ich mich doch lieber direkt auf den Weg gemacht. Ich machte mich also mit einem lokalen Bus auf zum Busbahnhof, was sich als durchaus interessant herausstellte: Ein Bus dieser Güte wäre in Deutschland wahrscheinlich 20 Jahre vorher ausgemustert worden. Alles wirkte etwas klapprig; der Motor hatte seinen Platz zwischen Fahrer und Tür und war mit Stoff oder Leder abgedeckt. Aber ich kam unversehrt am Busbahnhof an. Dort ging ich auf die Suche nach einem Ticket nach Singapur, was sich als nicht trivial rausstellte, da jede Busgesellschaft ihren eigenen Schalter hat und nicht ersichtlich ist, wer wann wohin fährt. Es dauerte jedoch nicht lange, als mich ein Pärchen ansprach und mir eine Karte nach Johor Bahru (JB) andrehen wollte; ein Ticket nach Singapur hätten sie schon gestern nicht mehr bekommen können, und offenbar hatten sie nur ein einzelnes Ticket nach JB. Dort solle ich umsteigen und mit einem lokalen Bus über die Grenze fahren, dann mit der U-Bahn weiter. Da der Bus quasi sofort abfahren sollte, musste ich mich schnell entscheiden und ließ mich durch ihre Hilfsbereitschaft auch überzeugen, sie erklärten mir alles genau und schrieben mir auf, welchen Bus ich bis wohin nehmen sollte.
Und schon saß ich in einem normalgroßen Bus mit 28 besetzten Sitzen (10 Reihen mit je zwei Plätzen rechts und einem links; hinten 4) auf dem Weg, der hoffentlich irgendwann in Singapur enden sollte.

Singapur »

Tatsächlich kam ich nach etwa 4 Stunden Fahrt in JB an. Kurz vor dem Busbahnhof fiel mir dann noch eine Kuriosität auf: Wenn man von oder auf die Autobahn fährt, kann man nicht rechts abbiegen. D.h. wir sind von der Autobahn runter (eine 270° Kurve), dann in die Gegenrichtung wieder drauf (nochmal 270°) und sofort wieder runter (nochmal 270°) und fuhren dann endlich in die richtige Richtung.
Am Busbahnhof habe ich dann auch schnell die richtige Schlange gefunden. Da es nur ein lokaler Bus war, war er leider nicht so bequem, aber es war auch nur ein kurzer Weg. Es ging also wieder mit 3 270°-Kurven auf die Autobahn bis zum malaysischen Grenzposten. Dort mussten alle raus und sich einen Stempel holen, dass man nicht mehr in Malaysia ist. Dann wieder in den Bus, über die Brücke und wieder raus aus dem Bus.
Bei der Einreise nach Singapur musste ich dann recht lange warten. In der Zeit habe ich mit einem Rentnerehepaar gesprochen, das ich vorher schon beim Kartenkauf für die Twintowers gesehen hatte. Die Welt ist klein… Er Engländer, sie Peruanerin, leben seit zig Jahren in Deutschland und bereisen nun die Welt.
Irgendwann hatte ich dann meinen Stempel, bin mit dem Bus zur nächsten Metro-Station gefahren, habe dort für 2SG$ (ungefähr 1,30€) leckere gebratene Nudeln gegessen. So günstig bin ich in Singapur nicht wieder an eine Mahlzeit gekommen. Naja, weiter ging’s dann mit der Metro nach Chinatown, wo meine Jugendherberge war. Bevor ich die gefunden hatte, musste ich erst noch einen Schneider abwimmeln; in Singapur eine ziemlich aufdrängliche Spezies, was ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste. Er hieß Alex, konnte ein paar Worte Deutsch und wollte mir unbedingt für 200$ (oder 300$? bin mir nicht mehr sicher) einen Anzug anfertigen. Ich habe dankend abgelehnt, aber zumindest konnte er mir den Weg zu meinem Hostel zeigen. Ein ziemlich neues Hostel, mit 16€/Nacht für Singapur doch recht günstig und mitten in Chinatown natürlich auch in guter Lage. Eine “Food Street” direkt vor der Tür, wobei leider einige Stände geschlossen waren (vermutlich wegen Chinese New Year).
Gleich vor der Tür war auch der “Buddha Zahn-Reliquien Tempel“, oder wie auch immer man den übersetzen soll. Besichtigt habe ich den leider nicht. Generell war ich in Singapur weniger aktiv als z.B. in KL, da das doch alles ziemlich viele völlig neue Eindrücke waren; außerdem war die Luft mitlerweile wärmer und feuchter. Das alleine wäre nicht allzu schlimm gewesen, wäre es nicht eine Eigenart der Asiaten innerhalb von Gebäuden Kühlschranktemperaturen herzustellen. Objektiv gesehen war es wahrscheinlich gar nicht so kalt, aber wenn man aus geschätzt mindestens 32°C warmer, schwüler Luft in vielleicht 22°C “kalte”, trockene Luft kommt, ist das schon ein beachtlicher Unterschied. Und der umgekehrte Fall haut einen noch viel mehr aus den Socken.
Das wurde gerade an meinem letzten Tage in Singapur vor meiner Abreise zu einer Strapaze für meinen Körper, als ich mir die Shopping-Malls an der Orchard Road angesehen habe.
Ansonsten bin ich viel rumgelaufen und habe mir die Stadt angeschaut. Dort bin ich auch in einer Mall gelandet, in der nur Schneider waren – das fühlte sich an wie durch eine Wiese voller Kletten zu waten, ich habe so schnell wie möglich das Weite gesucht.
An einem Abend war ich in einer nicht gerade günstigen Bar recht weit oben in einem der vielen Hochhäuser. Man hatte einen super Blick über die Stadt. War ziemlich beeindruckend, leider ist meine Kamera zu schlecht um davon etwas festzuhalten. Einen anderen habe ich in Clarke Quay verbracht, wo es viele Bars gibt, die Atmosphäre dort ist echt nett.

Zufällig hatte ich ein Shirt mit passender Aufschrift an

Ansonsten habe ich mir noch Sentosa angesehen, eine kleine Insel im Süden Singapurs. Eigentlich eher ein Vergnügungspark, aber mit ziemlich schönen Stränden. Dort sind mir auch die Inder begegnet, die unbedingt ein Foto haben wollten. Und wie glücklich die waren, als ich sie gefragt habe, ob sie mit meiner Kamera auch eins machen können 😉
Insgesamt war Singapur ganz interessant, aber für mich nicht so beeindruckend wie z.B. Kuala Lumpur. Das U-Bahn-System in Singapur ist wirklich super, die meisten Viertel sind sauber und ordentlich. Aber vieles wirkt auch steril, insgesamt hat man den Eindruck, dass der Stadt das besondere Etwas fehlt. Ich habe mehrmals gehört, dass viele dort nicht auf Dauer leben wollen – z.B. Wohnen ist dort sehr teuer, und viele finden die Stadt recht langweilig.
Und es gibt für viele Handlungen sehr hohe Strafen. Essen oder Trinken in der U-Bahn kostet z.B. 300€. Interessant fand ich, dass ich in der ganzen Zeit keinen einzigen Polizisten gesehen habe. Aber auch niemanden, der in der MRT gegessen oder getrunken hat. Ich bin mir nicht sicher, ob die Strafverfolgung über die vielen Kameras geht oder ob die hohe Strafe genug Abschreckung ist – es funktioniert jedenfalls. Glücklich macht es die Leute aber nicht, sie sind genervt von all den Bußgeldern.
Und es ist auch nicht überall sauber, in Little India z.B. sieht man öfter mal Müll auf den Gehwegen oder Straßen. Ich weiß nicht so recht, warum die Regeln dort nicht so streng durchgesetzt werden.
Erschreckend fand ich auch die folgende Erzählung: In die Bar mit der guten Aussicht sind wohl früher viele Chinesischstämmige gekommen. Mitlerweile kommen fast keine mehr, da den Chinesen zu viele Inder da sind…

Es gibt viele Hochhäuser dort...

Soweit ich weiß ein Hotel, obendrauf soll es einen Swimmingpool geben, leider nur für Gäste

Leider war gerade kein Sonnenschein, aber ihr könnt erahnen, dass es ganz schön war

Schlussbemerkungen »

Insgesamt war die Reise unglaublich spannend, ich habe wahnsinnig viele Eindrücke gesammelt, gerade in Kuala Lumpur. Es ist ungewöhnlich so viele verschiedene Menschen und Kulturen auf einem Fleck zu sehen, aber eben auch traurig zu sehen, dass das Zusammenleben zwar irgendwie klappt, aber alles andere als perfekt ist, obwohl es über so viele Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte gewachsen ist.
Eigentlich war ich nach Kuala Lumpur schon “gesättigt”, vielleicht hat mir deshalb Singapur nicht ganz so gut gefallen. Es waren sehr viele neue Eindrücke, die ich gar nicht schnell genug verarbeiten konnte. Aber ich bin echt froh die Reise gemacht zu haben, da es so anders war als hier in Taiwan, ganz zu schweigen von Vergleichen mit Deutschland…

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2 Responses to Mein Urlaub

  1. Belle says:

    You write it well. Good! I Love It.

  2. Monika says:

    Guten Morgen….lieber Johannes,
    Danke, für Deine Berichte….wieder sehr interessant.
    Jetzt bist Du nun fast am Ende….. Deiner Erlebnissreise
    Ich danke Dir, dass Du mir die Möglichkeit gegeben hast Dich ein stückweit zu begleiten.
    Nun wünsche ich Dir eine glückliche Heimkehr.
    Gott schütze Dich.
    liebe Grüße Monika

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